Warum ich laufe

 

Irgendwann im Jahr 1999 beschloss ich, meine bis dahin äußerst erfolgreiche Raucherkarriere, in der ich in der Endphase bis zu 80 Zigaretten täglich verbrauchte, schlagartig zu beenden. Ich sagte zu Göga “Morgen höre ich auf!”. Gesagt, getan und nachdem ich übellaunig aus der damals noch nicht gemeinsamen Wohnung komplementiert wurde mit dem Hinweis, dass ich wieder kommen kann, wenn ich mich abgeregt habe, habe ich mir das von ihr mitgegebene Buch “Endlich Nichtraucher” vorgenommen und war am nächsten Tag kuriert.

Ist man Raucher, bildet man sich ja oft ein, dass es einem eigentlich ganz gut geht und da ich der bekannten Gewichtsproblematik vorbeugen mochte, fing ich dann irgendwann im Jahr 2000 an, zu joggen. Sagen wir lieber, ich versuchte es, denn kaum begann ich zu laufen, wurde mir bewusst, wie gut es mir wirklich ging und welch tolle Kondition ich hatte. Nach gerade mal 300 (in Worten dreihundert) Metern, musste ich das erste mal stoppen, da ich fix und fertig war. Ich war, physisch gesehen, völlig daneben. Das war eine verdammt harte Erkenntnis 😥 Allerdings auch nicht so hart, dass ich aufgeben wollte. Das Wort Aufgeben sollte aus dem Sprachgebrauch generell gestrichen werden. Versuchen kann man es immer und immer wieder. Daher lief ich auch an diesem ersten Tag meines Läuferlebens den geplanten Weg zu ende. Nach diesen gerade mal zwei Kilometern war ich total fertig und ich hasste mich und jede Zigarette, die ich in meinem Leben bis dato inhaliert hatte.

Wie gesagt, ich gebe nicht so schnell auf und deshalb lief ich regelmäßig meine zwei Kilometer mindestens einmal in der Woche und ich verfluchte mit Sicherheit die ersten 20 Male jeden einzelnen Meter und wirklich jede einzelne Zigarette, die ich in meinem Leben rauchte (nie wieder!). Der innere Schweinehund wollte einfach nicht an Kraft verlieren, ganz gleich, wie oft ich ihn auch trat. Aber irgendwann wurde er dann doch schwächer, kaum merklich, aber er wurde schwächer und der Gefallen am Laufen wuchs.
Ich lief deshalb recht regelmäßig, bis ich irgendwann wegen falschem Schuhwerk wirklich starke Schmerzen in den Beinen bekam. Dann war erst mal Schluss mit der Lauferei und damit auch mit dem Sport.

Fortan widmete ich mich dem Kochen und dem BBQ, meinen anderen Leidenschaften. Leider haben diese Leidenschaften, verbunden mit der nächsten großen Leidenschaft, dem Essen, die dumme Nebenwirkung, dass, wenn man sie ohne Sport zu Ausgiebig auskostet, sie einen schwerer machen. Tja, das war es dann auch mit der guten Figur und dem Sixpack 🙁
Diese Phase des Zunehmens ging eine ganze Weile so weiter. Sie wurde immer wieder mal unterbrochen, wenn ich wieder mit dem Laufen begann und setzte sich fort, wenn der Schmerz wieder so groß wurde, dass mit dem Laufen einfach nichts mehr ging.

Anfang des Jahres 2012, als ich wieder einmal den Schritt auf die Waage wagte, beschloss ich dann etwas an der Situation zu ändern. Die Waage zeigte knapp 98 kg an und ich schwor mir schon immer, dass ich niemals 3-stellige Anzeigen auf der Waage haben werde. Ganz nebenher fühlte ich mich auch nicht besonders gut, kam schnell ins Schwitzen und mit Ü40 macht man sich bei diesen Sachen doch ein wenig Gedanken über seine Gesundheit.
Also stellte ich meine Ernährung um und begann, auf Kohlenhydrate nahezu komplett zu verzichten. Als ich dann die ersten 5 kg runter hatte, begann ich wieder mit dem Laufen und es war ein herrliches Gefühl. Beim Laufen merkt man wirklich jedes verdammte Kilo, das man nicht mit sich herumschleppen muss. Von da an purzelten die Kilos und ich wurde immer schneller. Als ich dann irgendwann mal aus Jux 21 km rannte, wurde mir von Sascha nahegelgt, mich doch mal beim Weltkulturerbelauf 2013 anzumelden. Zuerst wiegelte ich ab, weil ich ehrlich gesagt einen riesen Respekt davor hatte, entschloss mich dann aber doch, bei dem Halbmarathon mit zu machen und begann fortan mit der Vorbereitung auf den Lauf.

Als ich dann irgendwann mal bei 85 kg ankam und ich nicht schneller wurde, dachte ich mir, ich werde da mal was ändern müssen und ging deshalb zu Julia Emmler und lies mal eine Spiroergometrie machen und Julia gab mir auch ein paar Trainingstipps mit auf dem Weg. Das half schon mal und motivierte mich, noch mehr raus zu holen. Ich meldete mich also für einen Lauftechnikkurs bei ihr an und das brachte mich wirklich weiter. Zuvor erreichte ich beim Nikolauslauf in Forchheim auf 10 km eine Zeit von 47:23. Das Training bei Julia verhalf mir auf der selben Distanz beim Kaiserdomlauf zu einer Zeit von 43:09. Das hat mich dann doch ziemlich umgehauen und motiviert, weiter zu machen 😎

Ich beim WKEL 2013

Ich beim WKEL 2013

Während dieser Zeit begann ich auch langsam damit, meinen Laufstil zu ändern. Nicht mehr so laufen, wie es die meisten tun, sondern umsteigen auf das sogenannte Natural Running. Letztlich ist das nichts anderes, als so zu laufen, wie man es tun würde, wenn man eben barfuß liefe. Das Problem an der Sache ist nur, dass man durch das falsche Laufen, was man sich durch das Tragen von Schuhen angewöhnt, auch seine Muskulatur entsprechend degeneriert hat. Und genau diese Muskulatur will auch wieder aufgebaut werden und zwar langsam! Ich brauchte ca. 1,5 Jahre, bis ich so weit war, auch mal 30 Kilometer so zu laufen. Jetzt laufe ich nur noch so, mit dem Resultat, dass ich weder Gelenk- noch Rückenschmerzen habe. Beides war früher ein ständiger Laufbegleiter. Das ist jetzt glücklicherweise Geschichte.

Die Verbindung von besserer Ernährung (sprich: weniger Kohlenhydrate) und laufen haben bei mir noch etwas ganz besonderes bewirkt. Der Frühling des Jahres 2014 war bzw. ist ein ganz besonderer Frühling in meinem Leben. Ich bin seit meinem vierten Lebensjahr Allergiker und habe Asthma und seit einigen Jahren auch Heuschnupfen. Dieser Frühling war der erste Frühling seit ich denken kann, in dem ich keinerlei Medikamente benötigte. Ich hatte exakt zwei mal allergische Probleme und die ausgerechnet nach jeweils einem Tag, an dem ich rel. viel Kohlenhydrate (vor allem Nudeln) zu mir nahm. An beiden Tagen hatte ich auch keine Möglichkeit, diese Kohlenhydrate zu verbrennen, sprich weg zu laufen.
Ich glaube nicht, dass das Zufall war / ist, sondern dass das einfach eine Reaktion auf die Kohlenhydrate war. Mich hat es jedenfalls in meinem Denken bestärkt, dass man ohne Kohlenhydrate besser lebt. Ich werde dennoch weiterhin gelegentlich sündigen, werde aber den Großteil meines Essens ohne Kohlenhydrate zu mir nehmen. Und natürlich werde ich weiter laufen.